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Bye bye, Ronstein. Roman

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Berliner Zeitung

11.12.1995 / Kultur

Cornelia Geißler

Auf halbem Weg nach Chemnitz
Jens Johler und Axel Olly sagen: "Bye, bye, Ronstein"

"Was machst du gerade beruflich?"
"Ich werde Professor."
"Nein!"
"Soziologie."
"Nein!"
"In Chemnitz."
"Ach, du grüne Scheiße!"

Nicht genug, daß Wilfried Ronstein selbst wenig begeistert über sein Stellenangebot aus Chemnitz ist. Seine Westberliner Freunde halten ihn deswegen geradezu für verrückt. Aber Ronstein hat sich durchgerungen, den Job anzunehmen und gibt ein Abschiedsfest. Da singt er dann auch mit einem Freund das Lied "Bye, bye, Ronstein", das dem Buch von Jens Johler und Axel Olly den Titel gibt.

Diesen Ronstein darf man sich getrost so vorstellen wie die Figuren auf dem Buchumschlag: Zwei Männer auf einem Tandem fahren in unterschiedliche Richtungen. Das Autoren-Duo, Jahrgang '44 (Johler) und '51 (Olly), erzählen in ihrem Roman die Geschichte eines sogenannten Achtundsechzigers, der nicht weiß, was er will. Am schönsten wäre für Ronstein, wenn er keine Entscheidung treffen müßte. Und so wankt er zwischen den Argumenten des Therapeuten, seiner Frau, seines besten Freundes und seines alten Kumpels hin und her. Ein Weichei. Einmal nur entschließt Ronstein sich, spontan zu handeln. Er greift ein, als junge Nazis in einem Falafel-Imbiß randalieren. Es geht schlecht aus.

Johler und Olly haben für ihre Geschichte verschiedene Perspektiven gewählt, so daß mal Ronstein selbst, mal dessen Frau, mal ein junger Filmregisseur, mal ein Taxifahrer und mal ein Polizist aus dem Osten erzählt - gerade dies macht den Roman amüsant. Zumal die Autoren mit Klischees spielen, wenn sie Tatsachen behandeln, die gegenwärtig auch in Berliner Kneipen und Feuilletons bequatscht werden: Neunundachtziger ärgern sich über Achtundsechziger; Westberlin ist nicht mehr das, was es mal war; im Osten werden Hochschullehrer wie Polizisten abgewickelt Die Autoren ironisieren ihr Thema, wenn eine erfahrene Filmproduzentin ein Drehbuch in Auftrag gibt, das behandeln soll, wovon Johler und Olly schreiben: "Gewalt der Rechtsradikalen heute, Gewalt der Achtundsechziger damals. Zwei Generationen, Väter und Söhne. Und die Achtundsechziger müssen leider abtreten." Ja, vielleicht hat sich das alles nur der junge aufstrebende Filmregisseur Markus Dombrowski ausgedacht (ein sogenannter Neunundachtziger), der am Schluß den Roman zum Drehbuch erklärt. Daraus könnte ein heiteres Fernsehspiel werden.

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